Zweite Bürgermeisterin Frau Krista Sager

 

Grußwort

 

am 9. September 1999 um 9.00 im Auditorium Maximum

 

Zur Eröffnung des Ersten Welt Qi Gong Kongresses

 

 

 

Sehr geehrte Frau Griefahn,

Sehr geehrte Frau Hui Ming Zi,

Sehr geehrter Herr Generalkonsul Tao

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

Im Namen der Stadt Hamburg begrüße ich Sie ganz herzlich zu diesem Qi Gong Kongress. Es ist der erste Weltkongress außerhalb von  China. Somit ist es eine Premiere.

 

Wir freuen uns, dass Sie Hamburg als Tagungsort gewählt haben. Hamburg ist geprägt durch seine lange Tradition als Hafenstadt. Von jeher pflegten die Hamburger Kaufleute Handelsbeziehungen mit vielen Ländern - auch mit China. Menschen aller Herren Ländern legten im Hafen an. Das gab Hamburg immer schon  ein internationales Flair. Wir wünschen Ihnen, dass Sie sich hier wohlfühlen und die Tagung in angenehmer Atmosphäre verbringen.

 

Ein Ziel dieser Tagung ist es , Qi Gong in Deutschland und Europa bekanntmachen. In China ist Qi Gong weit verbreitet,  in Deutschland wird es noch häufig unter dem Begriff Esotherik subsumiert oder nur als Gymnastik angesehen.

 

Sicherlich wird diese Tagung auf Interesse der Öffentlichkeit stoßen. Sie möchten, dass Qi Gong nicht nur als therapeutische Gymnastik, sondern als Philosophie und auch als Wissenschaft anerkannt wird. Gerade weil es noch nicht so einen großen Bekanntheitsgrad hat,  ist eine seriöse Öffentlichkeitsarbeit des Qi Gong Verbandes dafür natürlich von großer Bedeutung.

 

Auf dem Kongress können Interessierte Qi Gong- Übungen lernen und somit die Wirkung am eigenen Leib ausprobieren, es gibt Weiterbildungskurse und auch Kultur . Doch es ist auch eine wissenschaftliche Tagung.  Fachleute tauschen sich aus über die Wirkung von Qi Gong auf Medizin, Wirtschaft ,Kunst und Architektur.  

 

Spätestens hier wird mancher westliche Wissenschaftler erst einmal stutzen. Die entspannende Wirkung einer  Qi Gong Übung mag er nicht bezweifeln. Doch Qi Gong als eine Wissenschaft anzuerkennen, zudem noch als die „Lebenswissenschaft“, wie Sie hier definiert wird, wird bei vielen auf Skepsis stoßen.

 

 Denn Wissenschaft ist nach unserem westlichen Verständnis nur, was sich durch empirische Forschung belegen lässt. Und die Wirkung von Qi, das definiert wird als „feinstoffliche Energie“, ist bis jetzt im Westen noch nicht überzeugend empirisch untersucht.

 

In China ist man an der wissenschaftlichen Beweisbarkeit der Qi Gong Lehre Qi Gong möglicherweise gar nicht so interessiert gewesen.  Erst seit kurzem ist Qi Gong in China Forschungsgegenstand. Auch heutzutage kennt ein Großteil der Chinesen Qi Gong aus eigener Erfahrung. Qi Gong ist traditionell mit der chinesischen Kultur und Philosophie verwoben.

Ärzte behandelten ihre Patienten mit Qi Gong,  Mönche suchten damit die Selbsterkenntnis. Handwerker und Bauern bemühten sich, mit Feng Shue und I Ging ihre Arbeit im Einklang mit der Natur verrichten.

 

Was ist Qi Gong nun genau?

In den Büchern liest man:  Durch Körperübungen, Tiefenatmung und Vorstellungskraft wird die Lebensenergie - Qi - geöffnet. Das freie Fließen des Qi fördert die Gesundheit von Körper und Geist. Der Ausübende kann Qi in sich selbst, aber durch Handauflegen oder Fernübertragung auch in anderen öffnen.

 

Qi Gong Experten erklären diese Phänomene so:Qi ist Energie mit materieller Realität. Es ist das Grundelement, aus dem das Universum besteht.

 

Das sind scheinbar sehr fremdartige, aller Wissenschaftlichkeit abholde Vorstellungswelten. Und doch treffen sich hier Esotherik  und moderne Naturwissenschaft.

 

Als Einstein 1905 die Grundlagen für die Relativitätstheorie  schuf,  erschütterte dies das bis dahin gültige mechanistische Weltbild in seinen Grundfesten. Es kam zu einer tiefgreifenden Wandlung von bisher statischen Begriffen wie Raum, Zeit und Materie.

 

Nach der Relativitätstheorie ist  Masse nur eine Energieform. Sie kennen alle die berühmte  Formel E=mc  , die besagt, dass Masse in andere Energieformen umgewandelt werden kann. In der modernen Physik hat Masse keine materielle Substanz mehr. Daraus folgt, dass subatomare Teilchen dynamischer Natur sind. Selbst ein in sich ruhendes Objekt enthält in seiner Masse Energie.

 

Grundlage des Lebens ist also nach Einstein letztendlich Energie. Hier gibt es Parallelen zur Vorstellung von Qi

 „als der feinstofflichen Energie, die in allen Phänomenen enthalten ist -  das Universum durchzieht, und-  wie Qi gong Meister sagen, von einem Menschen auf den anderen übertragen werden kann.“

 

In der fernöstlichen Philosophie wird die Welt nicht als statisch, sondern als in einem ständiger Wandlungsprozess begriffen. Dies belegen auch die Erkenntnisse der Relativitäts- und der Quantentheorie. Die feinste Materie ist ständig in Bewegung.

 

Subatomare Einheiten erscheinen, abhängig von der Warte des Betrachters, manchmal als Teilchen und  manchmal als Welle.  Wie auch das Licht als elektromagnetische Schwingung oder als Teilchen auftreten kann. Das besagt die Quantentheorie, die 1925 entwickelt wurde.

 

Niels Bohr, einer seiner Entdecker,  umschrieb das Bild von Welle und Teilchen als Komplementarität: als unterschiedliche,  sich jedoch ergänzende Beschreibungen derselben Realität. Dieses Prinzip der wechselseitigen Bedingtheit der Gegensätze wird in der chinesischen Philosophie  durch  die Pole Yin und Yang sinnbildlich.  

 

Niels Bohr entdeckte während einer Reise nach China die dortige Philosophie. Als er  später aufgrund seiner Leistungen geadelt wurde, wählte er ein  Wappen mit dem Symbol von Yin und Yang, dem schwarz- weißen Kreis mit den beiden Punkten.

 

Auf dem Prinzip von Yin und Yang -poetisch ausgedrückt die  sonnige und die schattige Seite eines Berges-  beruht auch die Traditionelle Chinesische Medizin sowie  das I Ging.  Das I Ging, das ich auch selbst befrage, wenn wichtige Entscheidungen anstehen, betont den dynamischen Aspekt aller Phänomene. Des weiteren die Vereinigung der Gegensätze als kosmisches Prinzip.  Auch die moderne Physik geht von einem dynamischen Universum aus, denn die feinste Materie ist immer in Bewegung.

 

Alle Gegensätze sind letztendlich Aspekte derselben Realität, könnte man die Essenz des I-Ging umschreiben.  Heisenberg erkannte, dass Aufenthaltsort und Impuls eine Teilchens zugleich gemessen kann, sondern dass man beide Größen in Relation sehen muss.

 

Dazu Heisenberg: „Die Welt erscheint als ein kompliziertes Gewebe von Vorgängen, in dem sehr verschiedenartige Verknüpfungen sich abwechseln und zusammenwirken und in dieser Weise schließlich die Struktur des ganzen Gewebes bestimmen.“

 

Davon kann abgeleitet werden , dass die kleinsten Bestandteile nicht aus sich selbst heraus, sondern nur über die Beziehung untereinander definiert werden können. Sie können nur über ihre Beziehung zum Ganzen definiert werden. Auch dies ein Prinzip der ganzheitlichen chinesischen Medizin, die stets den ganzen Menschen im Blickwinkel hat und nicht ein einzelnes Symptom untersucht.

 

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Heisenberg, von dem ich Ihnen wünsche, dass Sie auf dem Kongress in die Tat umsetzen können:

„ In der Geschichte des menschlichen Denkens haben sich oft die fruchtbarsten Entwicklungen dort ergeben, wo zwei verschiedene Arten des Denkens sich getroffen haben. Diese verschiedenen Arten des Denkens mögen ihre Wurzeln in in verschiedenen kulturellen Umgebungen oder verschiedenen religiösen Traditionen haben. Wenn sie wenigstens so weit zueinander in Beziehung treten, dass eine echte Wechselwirkung stattfindet, kann man darauf hoffen, dass neue und interessante Entwicklungen folgen.“

 

Das wünsche ich Ihnen für dies Zukunft des Qi Gong in Europa

 

vielen Dank für IhreAufmerksamkeit.