Spitzenorchester mit 35 Gesellschaftern
„Sie sind wohl das beste Kammerorchester der Welt“, schrieb das amerikanische Musikmagazin classicstoday. Die New York Sun bezeichnete das Orchester als “the authoritative Beethoven orchestra of our day”. Gemeint ist die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die mit ihren Beethoven und Brahms-Interpretationen auf den großen Konzertbühnen der Welt zu Hause ist.
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen fällt aus dem Rahmen: nicht nur durch ihre besonderen musikalischen Leistungen, sondern auch durch ihre Organisationsform. Die hochkarätigen Musiker sind nämlich keine Angestellten, sondern Gesellschafter ihres eigenen Orchesters. Nicht nur unternehmerisch geht das Spitzenorchester neue Wege. Auch künstlerisch hat das 35köpfige Ensemble Neuland betreten. 2007 machte die Deutsche Kammerphilharmonie Schlagzeilen, als sie die Bremer Gesamtschule Tenever zum neuen Domizil für Proben und Aufnahmen wählten. In der umgebauten Aula dieser Schule mitten in einem sozialen Brennpunkt studieren die Musiker seitdem nicht nur neue Klassik-Partituren ein, sondern arbeiten auch pädagogisch mit Schulkindern.
Für ihr erfolgreiches Crossover-Konzept zwischen Unternehmertum und Kultur wurde die Deutsche Kammerphilharmonie mit dem Deutschen Gründerpreis 2008 in der Kategorie Sonderpreis ausgezeichnet. Die Würdigung erhielten die Musiker für das professionelle Management wie auch für den konsequenten Aufbau einer Markenstrategie. Auf Anerkennung der Juroren stieß zudem das innovative „5-Sekunden-Modell“, ein Management-Training für Führungskräfte, das vom Orchester in Kooperation mit dem Saarbrücker Professor Christian Scholz entwickelt wurde. Bis zu 40.000 Euro pro Tag zahlen die Unternehmen dafür, dass ihre Top-Manager den Taktstock in der Kammerphilharmonie schlagen und ihre Führungsqualitäten austesten können.
Mit ihrem Triple-Konzept als Spitzenorchester, Management-Coaches und Musikpädagogen schaffte es die Kammerphilharmonie auch ökonomisch das Rad zu drehen. Im Jahr 1998 hatte sich das Orchester, das 1980 von Musikstudenten gegründet worden war, an die Wand gewirtschaftet. Die Musiker, die sich ganz der Kunst und wenig der Vermarktung gewidmet hatten, schoben einen Schuldenberg von 1,5 Millionen DM Schulden vor sich her. „Nach dem fünften Geschäftsführer hatte ich genug“, sagt Managing Director Albert Schmitt, damals noch Kontrabassist. Wie alle anderen Mitglieder des Ensembles war er als Gesellschafter in der persönlichen Haftung. In Abstimmung mit seinen Kollegen wechselte er die Seiten. Seitdem hält er nicht mehr den Kontrabass-Bogen in der Hand, sondern Telefonhörer und Stift und kümmert sich um Buchhaltung, Vertrieb und Marketing.
Mit Erfolg! Indem sich die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen konsequent als Beethoveninterpret vermarktete, etablierte sich das Ensemble als feste Marke im Musikmarkt. Weiterhin trugen die Manager-Schulungen dazu bei, dass das Orchester nach anderthalb Jahren wieder schwarze Zahlen schrieb. Unterstützt wird die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen von Sponsoren, dem Freundes- und Förderkreis und natürlich von der Hansestadt Bremen. Doch mittlerweile machen die staatlichen Zuwendungen weniger als 40 Prozent der Einnahmen aus. Üblich sind sonst 90 Prozent.
Heute stehen für die Musiker neben Auftritten mit internationalen Star-Solisten wie Hélène Grimaud, Christian Tetzlaff oder Viktoria Mullova regelmäßig die Proben und Schulkonzerte mit den Schülern der Tenever Gesamtschule im Terminkalender.
„Wir mussten erst lernen, dass Widersprüchlichkeit kein Defizit ist, sondern der Motor unseres Erfolges“, beschreibt Managing Director Albert Schmitt die unterschiedlichen Aktivitäten der Kammerphilharmonie. Mit dem Spitzendirigenten Paavo Järvi habe sich das Orchester bewusst einen Künstlerischen Leiter gesucht, der den gesellschaftlichen Diskurs suche.
„Es ist wichtig, sich Spannungen immer wieder zu stellen, denn nur dadurch entstehen neue Wege“, so Schmitt. In Zukunft würden Kreativität und echte Individualität zunehmend wichtiger. „Neues entsteht nicht in der Mitte, sondern an den Rändern, an den Schnittstellen verschiedener Bereiche. Wir versuchen, die sozialen Gruppen wieder stärker miteinander in Kontakt zu bringen. Dadurch wollen wir der Zersplitterung der Gesellschaft und damit dem Stillstand entgegenwirken.“
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen gGmbH
Albert Schmitt
Kulturhaus Stadtwaage
Langenstr. 13
28195 Bremen
Tel.: (0421) 958 85-0
info@kammerphilharmonie.com
www.kammerphilharmonie.com