Anton Jurina (28) und Martin Höfele (25) haben es fast geschafft: Nach zwei sehr arbeitsreichen Jahren haben sie das Mode-Label armedangels auf dem Markt positioniert. Die beiden Junggründer aus Köln verkaufen fair gehandelte, pestizidfreie Kleidung, die außerdem schick und modisch ist. Damit sind sie Trendsetter.
Während sich in Skandinavien schon seit Jahren die Gesinnung durchgesetzt hat, dass Ökomode sexy sein darf, gibt es hierzulande Nachholbedarf. Deutschland ist zwar seit Generationen ein Land der Atomkraftgegner, Birkenstocklatschenliebhaber und Müslifreaks, doch der typische Öko zählt nicht zu den armedangels-Kunden. Er ist erstens zu alt und zweitens legt er keinen Wert auf modische Kleidung.
"Die Ökomode muss dringend raus aus der Batikecke", sagt Anton Jurina. Den typischen Armedangels-Kunden charakterisiert Höfeler so: "Erst muss Dich der Style überzeugen - dann kommt das Öko-Ding." Ökos seien sie nicht, so Martin Höfeler. "Wir möchten einfach nur eine Alternative bieten: also stylische Klamotten, die ökologisch und sozial fair produziert wurden." Mit ihren trendigen, giftfreien T-Shirts und Jacken wenden sie sich an eine neue Klientel – die so genannten Lohas. LOHAS – abgeleitet von „Lifestyle of Health and Sustainability“ – sind Menschen, die in Biomärkten und Ökoläden einkaufen. Lohas verabscheuen Kinderarbeit und überhaupt alle Konsumprodukte, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Häufig verfügen Lohas über ein überdurchschnittliches Einkommen, weiß Wikipedia. Sie stehen nicht auf Geiz-ist-geil, sondern auf Ökologie und social ware und sind bereit, für gesunde und nachhaltig produzierte Kleidung etwas mehr auszugeben.
Die armedangels Shirts sind deutlich teurer als bei H&M und kosten zwischen 29 und 49 Euro. Doch die Kunden unterstützen mit ihrem Kauf faire Arbeitsbedingungen und die Gesundheit der Produzenten und ihrer Umwelt. Jeder Kauf ist gleichzeitig eine Spende, denn 3,33 Euro gehen an gemeinnützige Organisation. Das Motto des Modelabels lautet dementsprechend: “Die ‘armedangels’ sind gekommen, um sich einzumischen”.
Die armedangels Shirts und Tops aus anschmiegsamer Baumwolle sind sportlich geschnitten. Sie werden in indischen Fabriken produziert, die mit dem bekannten Fair Trade Zertifikat arbeiten. Das modische Street-Art-Design mit Schriftdruck und Mustern wurde nicht nur von Kreativen aus dem Bekanntenkreis, sondern auch von etablierten Modeschöpfern entworfen.
Das Symbol des Unternehmens – der armed angel - prangt goldfarben oder schwarz auf einigen Shirts. Es ist ein sehr femininer Engel mit welligem Haar, Hüftschwung und Stöckelschuhen, der elegant Pfeil und Bogen in den Händen hält.
2005 studieren Höfeler und Jurina noch brav BVW. Doch ihre Zukunft sehen sie nicht als Anzugträger in einer Unternehmensberatung. Als die Freunde eines Tages durch eine Kölner Shoppingmall streifen, fällt ihnen auf, wie seltsam uniformiert die Leute aussehen. Anscheinend gibt es zu H&M und Zara Klamotten keine Alternative! Wie wäre es mit einem eigenen kleinen Modelabel? fragen sich die beiden. Sie selbst könnten sich als Unternehmer einbringen, die nicht nur rein gewinnorientiert wirtschaften, sondern „auch sozial verantwortlich arbeiten wollen“ so Höfeler.
Neben Vorlesungen und Abschlussarbeit beginnen sie zu recherchieren - zunächst zu Öko-Zertifikate und nachhaltig hergestellter Kleidung. Ein Geldgeber muss gefunden werden! Sich an eine Bank zu wenden, ist zwecklos, wissen die beiden mittellosen Studenten. Jurina schreibt Alumnis einer Kölner Studenteninitiative an, einer davon ist Axel Schmiegelow, Geschäftsführer des Risikokapitalgebers DW Capital. Schmiegelow sagt seine Unterstützung zu und ermuntert die Gründer, sich weitere Investoren zu suchen. Was auch gelingt.
Ein echter Durchbruch ist der 1. Preis Gründerwettbewerb 2007 der Wirtschaftswoche. Jurina und Höfeler erhalten 250.000 Euro in Sachwerten und jede Menge öffentliche Resonanz. Die große Beachtung der Medien zeigt, dass der sanfte Engel der armedangels die Pfeilspitze einer neuen Bewegung ist. Spiegel, Stern, FAZ und TV-Sender berichten über das kleine Modelabel, das die Welt verändern möchte.
Trotzdem schlägt sich die Medienresonanz nicht sofort ein zu eins im Verkauf nieder. Das gesellschaftliche Bewusstsein ändert sich halt nicht von heute auf morgen und so braucht das Unternehmen Zeit und finanzielle Mittel, um die schleppende Entwicklung durchzustehen. Dabei hilft das neue Konzept der Corporate Collection. Kooperationspartner werden gesucht und erhalten Hemden mit individuellem Design statt eines einfachen Firmenlogos. Guten Absatz macht armedangels-Unternehmer auch mit unbedruckten T-Shirts, die sie an andere Firmen weiterverkaufen. Bislang zahlt sich Höfele ein Monatseinkommen von 1.000 Euro aus. Ende 2008 soll der Zehn-Leute-Betrieb schwarze Zahlen schreiben.
Viele Prominente treten mittlerweile in der Streetware des Modelabels auf. Rapper Thomas D von den Fantastischen Vier hat Shirts für seine gesamte Crew bestellt. Die Sportfreunde Stiller, der Schauspieler Jürgen Vogel und die Musiker von 2Raumwohnung tragen werbewirksam armedangels-Klamotten. Bisher verkaufen Jurina und Höfele hauptsächlich übers Internet und dazu nur in wenigen ausgewählten Läden. Der Direktverkauf wird in Deutschland und den Nachbarländer gegen Ende 2008 ausgeweitet. Eine Kollektion von Trainingsjacken und Taschen ist in Planung.
Im
armedangels-Büro, das sich im angesagten Kölner Belgischen Viertel
befindet, stapeln sich die flachen Versandkartons. Sie sehen ein wenig
wie Pizzakartons aus. An der Wand hängt ein Entwurf, der eine Tunika
zeigt. Das Design haben die Kreativen der armedangels gemeinsam mit dem
Stylisten von Angelina Jolie entwickelt. "Auf sanfte Art kannst Du
etwas bewegen", steht auf der Tunika. "Wir können die Welt nicht
komplett verändern, aber Stück für Stück verbessern", so Höfeler.

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